Serena zerstört Henins großen Traum
Justine Henin hat bei ihrem Grand-Slam-Comeback den großen Coup verpasst und das Finale der Australian Open in Melbourne gegen Serena Williams verloren. Die Titelverteidigerin und Nummer eins der Welt setzte sich in drei Sätzen mit 6:4, 3:6 und 6:2 gegen die 27-jährige Belgierin durch.
"Es waren zwei sehr emotionale Wochen für mich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so weit kommen würde. Ich muss Serena gratulieren, sie ist ein wahrer Champion", zeigte sich Henin als faire Verliererin.
Das Finale war das 14. Aufeinandertreffen zwischen Williams, der aktuellen Nummer eins, und der ehemaligen Weltranglisten-Ersten. Die US-Amerikanerin, die das Turnier 2003, 2005, 2007 und 2009 gewann, eröffnete das Finale mit einem Ass. In der Folge musste die 28-Jährige zwar mehrere Breakbälle ihrer Gegnerin parieren, doch im vierten Spiel schnappte sich Serena das erste Break zur 3:1-Führung.
Mit dem Break zur Satzführung
Doch Henin ließ sich vor 15.000 Zuschauern in der ausverkauften Rod Laver Arena nicht aus dem Rhythmus bringen, kämpfte weiter um ihre Chance. Im siebten Spiel wurde die mit einer Wildcard in den Wettbewerb gestartete 27-Jährige belohnt: Mit der bis dato siebten Breakchance durchbrach Henin das Aufschlagspiel von Williams zum 3:4, ehe sie den Ausgleich schaffte. Als die Lütticherin allerdings kurz darauf gegen den Satzverlust servierte, versagten ihr die Nerven. Williams holte sich das zweite Break und gewann den ersten Durchgang mit 6:4.
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Im zweiten Satz geriet Henin früh unter Druck - und zeigte ihre ganze Klasse: Einen 0:1- und 15:40-Rückstand bei eigenem Service verwandelte die Belgierin mit acht Punkten in Folge in eine 2:1-Führung. Doch die Achterbahnfahrt ging weiter, denn Williams erhöhte umgehend den Druck und erzwang das Re-Break. Trotzdem blieb Henin fokussiert und schlug im siebten Spiel erneut zu. Mit dem Break zum 4:3 legte die 41-fache WTA-Turniersiegerin den Grundstein zum Gewinn des zweiten Satzes.
Williams behält die Nerven
Als es dann in die Entscheidung ging, wechselten sich brillante Ballwechsel mit einfachen Fehlern an. So konnte Henin das Break von Williams zum 2:1 umgehend kontern und den Ausgleich wieder herstellen - um dann den eigenen Aufschlag erneut abgeben zu müssen. Dieses Mal ließ sich die Nummer eins der Welt den Vorteil nicht mehr aus der Hand nehmen. Williams zog auf 4:2 davon und machte den fünften Australian-Open-Titel mit zwei Spielen in Serie perfekt.
"Henin hat am Ende des zweiten Satzes unglaublich gespielt. Aber es war dann eben so, dass Serena zurückkam und das Spiel wieder an sich riss. Das war sehr beeindruckend. Die Titelverteidigerin hat ein taktisch exzellentes Match abgeliefert", analysierte der siebenfache Grandslam-Champion Mats Wilander bei Eurosport das Endspiel.
Williams nahm strahlend den Siegerpokal von Australiens Tennis-Legende Margaret Court entgegen und gratulierte zunächst ihrer Kontrahentin: "Glückwunsch an Justine. Dieses Endspiel hat sehr viel Spaß gemacht und sie hätte dieses Finale ebenso für sich entscheiden können", so die 28-Jährige.
"Himmlisch": Murray heiß aufs Finale
Mancher feiert Siege mit dem Ali-Shuffle und dreht Pirouetten. Andere ballen die Becker-Faust und schreien ihre Freude heraus. Wieder andere lassen sich siegestrunken fallen oder küssen den Boden. Andy Murray dagegen sah aus wie ein geprügelter Hund, als er von seinem Weg ins Finale berichtete.
Während ihm die Schlagzeilen daheim einen "genialen Stil" (Telegraph) und eine "beeindruckende Leistung" (Guardian) im Halbfinale gegen den Kroaten Marin Cilic bescheinigten, sagte der 22-Jährige mit bestem britischen Understatement: "Ja, ich bin froh, es überstanden zu haben."
"Ich bin ich frisch und topfit"
Die Anspannung wollte so kurz nach dem in vier Sätzen gewonnenen Vorschlussrunden-Match nicht weichen. Dabei fühlte sich Murray körperlich in bester Verfassung, hatte er in den bisherigen Spielen doch durchaus Kraft sparen können, weil er bis auf das Match gegen Cilic nie mehr als drei Sätze benötigt hatte. "Eines kann ich versprechen", meinte er denn auch, "fürs Finale bin ich frisch und topfit - geistig und körperlich."
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Murray dachte zurück an die US Open 2008. In seinem ersten Grand-Slam-Finale, das er gegen Roger Federer in drei glatten Sätzen verlor, war er übernervös gewesen und zudem "hatte ich vorher drei Matches an drei Tagen bestritten", erklärte er. "Alles war so neu für mich und alles so schnell gegangen." Die Nerven werden diesmal nicht das Problem sein im Endspiel, und auch nicht die fehlende Kraft. "Ich bin froh, dass ich jetzt zwei Tage frei habe", sagte er.
Briten lechzen nach Grandslam-Titel
"Murray hält den Traum am Leben", titelte die "Times" und meinte dies in doppeltem Sinne. Denn natürlich will der beste Tennisprofi Großbritanniens den ersten Grand-Slam-Titel für sich holen. "Aber ich will ihn auch gewinnen für die Leute um mich herum, für meine Familie und natürlich für das britische Tennis." Seit Jahrzehnten schon warten die Briten auf einen neuen Fred Perry. Der legendäre Spieler war der letzte Brite, der 1934 in Australien gewonnen hat. John Lloyd hatte es 1977 ins Finale geschafft.
Dass Murray an dieser Last zerbrechen könnte, kann nur glauben, wer den Hype um den jungen Tennisprofi in Wimbledon nicht kennt. Sogar ohne Karten für den Centre Court tummeln sich dort Tausende auf dem sogenannten Murray-Mountain, wenn der Lokalmatador aufschlägt. Schon Wochen vor Turnierbeginn beginnt die Hatz, aber Murray steckt dies locker weg. "Es ist eben so, damit muss ich zurechtkommen."
Melbourne der Wendepunkt?
In Melbourne ist es vergleichsweise ruhig um den Briten, der von jeher betont, ein Schotte zu sein. Von daher könnte man sogar sagen, dass er der erste Tennisprofi seines Heimatlandes ist, der im Melbourne Park diesen Sonntag um den mit knapp zwei Millionen Dollar entlohnten Titel spielt. "Man spürt den Druck hier fast gar nicht", meinte Murray und noch immer hellte sich seine Miene nicht auf. "Hier lese ich keine Zeitungen und auch im Fernsehen kommt nichts über mich. Himmlisch; es ist wirklich ganz anders als in Wimbledon."
Das ist gut so für die Nummer vier der Tennis-Welt, die mit einem Turniersieg wieder Platz zwei der Weltrangliste einnehmen würde. Denn Wimbledon 2009, speziell das Halbfinale gegen Andy Roddick, hängt dem steilen Aufsteiger noch nach. "Ich hatte die Chance, ins Finale zu kommen. Es war ganz, ganz knapp." Melbourne soll nun ein Wendepunkt sein und der Ort seines erstes Major-Triumphes. Das Orakel sagt, die Chancen stehen nicht schlecht bei seinem 17. Grand-Slam-Auftritt. Denn auch Rekord-Champion Roger Federer brauchte 17 Anläufe, bis er 2003 in Wimbledon seine erste Grand-Slam-Krone aufsetzten konnte.
